Ursula Schmid-Spreer – 13. September 2021

Südstadt

An diesem schönen Spätsommernachmittag werde ich meine dritte Texthaus trifft Nürnberg-Runde in der Südstadt genießen. Ich hole Ursula Schmid-Spreer, die ich lieber wie gewohnt Uschi nenne, von zuhause ab. Schon nach einer kurzen Strecke wird es spannend. Schließlich ist Uschi eine vielen Nürnbergerinnen und Nürnbergern bekannte Krimiautorin. So wundere ich mich nicht, dass die Runde mit einem kleinen Rätsel beginnt. Wir landen nämlich augenscheinlich in einer Sackgasse! Doch Uschi weiß Rat. Es gibt einen kleinen Durchschlupf, den nehmen wir, kommen auf der anderen Seite eines großen Hauses wieder heraus und befinden uns vor einer hübschen grünen Wiese, die bestimmt von Hundebesitzern gern für Gassirunden genutzt wird. Aber es stehen auch Bänke dort, man kann sich ausruhen. Das ist eine dieser kleinen Südstadtoasen, die einladend sind und ein bisschen Platz fürs nachbarschaftliche Miteinander bieten. Auf der anderen Seite der Wiese steht die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche, die imposant in den heute nahezu blauen Himmel aufragt. Das Wetter ist optimal, um einfach durch die Südstadt zu schlendern. Wir gelangen schließlich zu dem Torbogen, der zum Hummelsteiner Park führt. Ich erinnere mich gleich daran, dass ich mit Norbert Fehl den Bogen aus der anderen Richtung durchquert habe. Ich habe eine Idee, wo Uschi mich hinführen wird.

Der Hummelsteiner Park

Und ja, es ist der Hummelsteiner Park, diese herrliche grüne Insel mitten in der Südstadt. Das Hummelsteiner Schlösschen hat eine lange Historie, die eng mit der Geschichte Nürnbergs verbunden ist. Ganz zu Anfang des 16. Jahrhunderts wurde es erbaut und später von Wolf Horneck als Herrensitz umgebaut. Später, im 18. Jahrhundert, gab es in dem Park ein Gasthaus, dem das Schankrecht verliehen wurde. Bald war es ein beliebtes Ausflugsziel für die Menschen aus Nürnberg, denn es lag noch recht ländlich. Ein Ausflugsziel ist es noch immer. Sehr idyllisch ist der Park und in der Nähe gibt es auch heute einen Biergarten. Eigentlich ist alles beim Alten geblieben, nur in modernerer Form und mit dem Unterschied, dass der Hummelsteiner Park jetzt kein ländliches Idyll mehr ist, sondern ein lauschiger Ort mitten in der lebendigen Südstadt.

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Hummelsteiner Geschichte

Die Hummelsteiner Geschichte ist wechselhaft. Mal gehörte der Weiler zu Preußen, mal zu Bayern. Ende des 19. Jahrhunderts, und zwar am 1. Januar 1899, wurde der Weiler Nürnberg eingemeindet. Dann kam der Fabrikneubau der MAN und damit – es war die Zeit der Industriealisierung – entstanden rundherum Wohnhäuser für Arbeiterfamilien.

Lachende Gesichter und der Schulgarten

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde auch das Haus der Sperberschule erbaut, das direkt hinter dem Schlösschen zu finden ist. In dieser Zeit wurde ein Teil des Schlossparks zur Musterschulanlage umgebaut. Noch heute erfüllt der Hummelsteiner Park in botanischer Hinsicht auch einen pädagogischen Zweck. Hier gibt es viele Erklärungen zu den Bäumen, die hier wie die mächtige Kaukasusfichte wachsen. Ein kleines Labyrinth und der zauberhafte Spielplatz mit den Pilzen aus Holz, deren lachende Gesichter einen freundlich stimmen, sind Teil des wirklich vielfältigen Angebots in diesem Park. An dem Tag unserer Runde werden gerade Zirkuskünste für Kinder präsentiert. Einige Kinder haben sich eingefunden und Freude an den Möglichkeiten, die ihnen dort geboten werden. Wir sitzen eine Weile an dem Spielplatz, plauschen noch ein wenig und genießen die Atmosphäre, bevor wir den Park durch den Pergolengang wieder verlassen.

Platz für Jung und Alt

Nicht weit entfernt kommen wir an einem schönen gelb gestrichenen Haus mit einem runden Erker vorbei, von dem Uschi zu berichten weiß, dass dort eine ihrer Töchter in den Kindergarten ging. Das ist total schön in der Südstadt, dass sich alles miteinander verbindet. Es gibt ganz viel Platz für Familien, es gibt Raum für junge Leute, Angebote für alte Leute. An alle Bedürfnisse ist gedacht. Wunderbar! Und dann haben wir auf dem Gehweg auch noch einen Regenwurm entdeckt. Sogar der findet hier sein Plätzchen, wobei das natürlich auf dem Gehweg nicht optimal war.

Tolle Projekte

Wir kommen wieder vorbei an der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche mit ihren großen Uhren. In dieser Kirche, der Vesperkirche, fand seit 2016 und bis letztes Jahr immer für sechs Wochen ein offener Treffpunkt statt mit Mittagessen und Veranstaltungen. Das ist eine wirklich großartige Initiative. Leider musste die Aktion dieses Jahr ausfallen. Vor der Kirche gibt es jetzt einen Pop-up-Garten. Große Hochbeete aus Brettern können von jedem, der vorbeikommt, genutzt, gepflegt, besät und abgeerntet werden. Die Bretter der Hochbeete sind freundlich mit großen blauen Buchstaben beschriftet, auf denen es heißt „Herzlich willkommen im Pop-up-Garten“. An anderer Stelle wird erklärt: „Liebe Besucherinnen und Besucher, dieser Garten ist öffentlich, also für alle. Du kannst hier gärtnern, ernten, gießen oder einfach hier sitzen und mitessen.“ Auch wenn die Kästen jetzt nicht perfekt gepflegt wurden, ist es wirklich ein Idyll und eine ganz fantastische Idee. Man kann nur hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder aufgegriffen wird.

Die Bleiweißer und der Treff Bleiweiß

Uschi hat ein Buch über soziale Institutionen oder Initiativen in Nürnberg geschrieben. Sie hat einige Menschen interviewt, die mit diesen Initiativen in Verbindung stehen. Kurzum: Sie kennt die Südstadt auch aus ganz anderer Perspektive und zeigt mir beispielsweise gern die Angebote im Treff Bleiweiß, beziehungsweise eigentlich den Treff Bleiweiß selbst. Wir kommen durch eine Straße mit Wohnhäusern, an einem Haus ist ein großes Bild der Bleiweißer noch mit dem harten P geschrieben und nicht weit entfernt ist der Treff Bleiweiß. Der Begriff Bleiweißer ist übrigens ein Synonym für die Bleistiftmacher, die sich schon seit dem 17. Jahrhundert im heutigen Bleiweißviertel angesiedelt hatten.

Tolle Angebote

Vor der Tür des Treff Bleiweiß hängt ein Kästchen mit Informationen über Veranstaltungsangebote, die wir uns interessiert anschauen. Der Treff Bleiweiß bietet viele Angebote unter dem Motto Bewegung und Begegnung, zum Beispiel Stadtrundfahrten mit dem Rad oder Führungen mit einer Geschichtenerzählerin durch die Hesperidengärten in Johannis. Uschi kennt den Treffpunkt aber auch von innen und möchte ihn mir gerne zeigen. Obwohl eigentlich geschlossen ist, dürfen wir kurz reinhüpfen. Dort wird nämlich gerade renoviert, aber man merkt auch trotz der Renovierung, dass die Atmosphäre sehr angenehm ist. Ganz viel Holz und die offene Gestaltung schaffen ein schönes Ambiente, in dem man gern an Veranstaltungen teilnimmt.

Eine kleine Auszeit

Unverzichtbar ist an diesem Tag ein kleines Päuschen samt Pläuschen im Eiscafe Compo Stella. Wir genießen die kleine Auszeit ungewohnter Weise bei sehr wenig Eis und dafür Tee und Wasser. Trotzdem ist es einfach schön, hier ein wenig zu sitzen und zu schauen, was die Leute drumherum so treiben. Wir schlendern weiter und kommen an der Kreuzung von Schützenstraße und Holzstraße zu dem bezaubernden Gliederpuppenbrunnen. Diese Gliederpuppen laden zum Spielen ein! Man kann gar nicht anders, man muss ausprobieren, wie sich die Arme, Köpfe und andere Körperteile bewegen lassen. Es ist zauberhaft! Und es ist auch sehr hübsch, dass die Figuren an vielen Stellen bereits ganz blank sind, weil sie so oft berührt werden. Zum Beispiel an dem Schuh, den man drehen kann, oder an der Hand der Dame mit Hut, mit der Uschi dann auch gleich ein Tänzchen wagt.

Herzlichen Dank

Wir gehen trotzdem noch ein paar Schritte weiter, kommen an einem netten italienischen Restaurant vorbei, das uns gleich dazu animiert, uns in den nächsten Tagen dort zu einer Pizza zu treffen. Was wir dann auch taten und sehr genossen. Noch ein Stückchen weiter sind wir dann wieder an der Hauptverkehrsstraße und trennen uns für diesen Tag voneinander. Ich springe noch schnell in einen Supermarkt und mache mich dann auf den Weg in die Altstadt. Vielen Dank, liebe Uschi, für diesen wunderbaren Nachmittag und für den Abend beim Italiener. Wir sehen uns in Kürze wieder!

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