Jana Franke & Gregor Müller – 19. August 2021

Schweinau

Jana und Gregor Franke sind liebe Freunde, mit denen ich schon viel Spaß hatte. Ob wir Steine angemalt haben oder zusammen Essen gegangen sind, es ist immer schön mit den beiden, weil viel gelacht wird. Und auch bei Texthaus trifft Nürnberg sind sie dabei. Heute hole ich sie in ihrem Schrebergarten ab, um mit ihnen gemeinsam Schweinau zu erkunden. Schweinau ist für mich eigentlich ein Buch mit sieben Siegeln, ich habe nur zwei Gründe dort hinzufahren: Das sind Jana und Gregor. Deswegen kenne ich den Weg zu ihrer Wohnung und den Weg zu ihrem Schrebergarten, das war es eigentlich schon. Natürlich bin ich jetzt auch sehr neugierig auf das, was ich sehen werde. Erstmal mache ich einen Moment Pause im Garten und noch ein Foto mit den beiden auf dem lauschigen Bänkchen, im Vordergrund Filou, und freue mich an dem Gedeihen in ihrem kleinen grünen Paradies. Es ist wirklich ein lauschiger Platz. Sehr, sehr schön!

Schrebergarten, Totholz und Moschee

Ja, dann machen wir uns auf den Weg, gehen hintenrum aus dem Schrebergartengebiet hinaus und sehen als erstes ein ungewöhnliches Biotop. Wobei, so ungewöhnlich ist es gar nicht, nur hier vollkommen unerwartet. Es ist nämlich der Lebensraum Totholz, der hier angelegt wurde. Im Hintergrund steht die Müllverbrennungsanlage. Im Vordergrund sieht man Natursteine, reichlich altes Holz, Totholz eben, und viel, viel Grün. Es gibt Baustämme von der Kirsche, von der Pappel, ein Insektenhotel, Kiefernholz, einen Berg voller Wurzelstöcke, einen Reisighaufen von der Hainbuche. All das erklärt ein Schild, das dort aufgestellt ist. E macht seine Leser mit dem Gedanken vertraut, dass solch absterbendes und sich zersetzendes Holz einen idealen Lebensraum für lauter Getier und für Pilze bietet. Ein tolles Projekt, finde ich. Kurz darauf kommen wir an einer Moschee vorbei, wo wir mit einem netten Herrn ins Gespräch kommen. Die Einladung zum Tag der offenen Tür kann ich leider nicht annehmen, weil die Veranstaltung während meines Urlaubs stattfindet. Aber vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr?

Das Ei wacht über Schweinau

Wir gehen an der Jakob-Muth-Schule vorbei, zu der auch eine Tagesstätte und ein Hort gehört. Hier sieht alles recht freundlich aus, für mich zumindest, denn die Wände sind verklinkert sind, was ja immer ein wenig an den Norden erinnert. Jana kommt hier oft auf ihrer morgendlichen Gassirunde vorbei, wenn die Kinder in die Schule kommen und sich über Filou freuen. Wir wenden uns nach rechts und kommen zur Kreuzkirche. Das ist eine ungewöhnliche Kirche, aber leider geschlossen, denn diese Kirche ist seit Jahren einsturzgefährdet und darf nicht mehr genutzt werden. Trotzdem ist sie ein mächtiger, architektonisch ungewöhnlicher Bau, der den Lochnerpark beherrscht. Ich mag den Bau, auch wenn einsturzgefährdete Bauten keine guten Zukunftsperspektiven haben. Wir folgen der Lochnerstraße Richtung Norden und können linker Hand wunderbar auf den Nürnberger Fernmeldeturm blicken. Auf das Ei, das hier aus vielen Perspektiven den Stadtteil beherrscht und ein bisschen wie ein freundliches Maskottchen wirkt. Zumindest aus der Ferne. Auf der rechten Seite kommen wir vorbei am Klangtraum von Jürgen Huck und gleich ums nächste Eck ist die Metallwarenfabrik J. A. Huck, bei der wir kurz auf den Hof spitzen.

Ein bunter Mix

Die Bebauung in diesem Viertel scheint mir sehr gemischt zu sein. Wir schlendern durch die Straßen, entdecken auf der rechten Seite ein kleines, grün bewachsenes Häuschen, schauen in hübsche Hinterhöfe und erkunden immer wieder auch besondere Häuser, wie zum Beispiel das Mehrgenerationenhaus der Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf. In dieser Gegend gibt es auch noch einen echten Schuhmacher. Schuhmacherfachbetrieb steht am Fenster. Es gibt orthopädische Schuhe, es gibt Einlagen. Im Moment scheint geschlossen zu sein, aber ganz sicher sind wir uns da nicht. Die braun gestrichene Fassade, die fein gearbeitete Tür und die Säule zwischen Tür und Fenster sehen wirklich zauberhaft aus. Die ganze Sandsteinfassade ist sehr hübsch anzusehen.

Ungewohnte Bauweise

Nicht viele Meter davon entfernt kommen wir an einem ebenfalls ungewöhnlichen Haus vorbei. Zwei Schaufenster und eine Tür sind zu sehen. Vor der Tür ist ein verrostetes Scherengitter, in dem einen Fenster wird auf eine Hefeweizenbiermarke hingewiesen und in dem anderen Fenster auf Edelbiere. Also vermute ich, dass es irgendwann eine Kneipe war. Oberhalb der Fenster scheint Reklame angebracht gewesen zu sein, aber vor langer Zeit. Heute ist alles zumindest auf den ersten Blick dem Verfall anheim gegeben. Schaut man aber genauer hin, sieht man, dass hinter dieser Fassade eine neue Mauer hochgezogen wurde. Ich habe keinen Schimmer, was dies zu bedeuten hat. Aber auch dies ist ein Beispiel für die Vielfalt in diesem Stadtteil. Ich bin gespannt, was dort entsteht.

Oh nein, ein E-Roller!

Als wir die Kreuzung von Schweinauer Hauptstraße und Nopitschstraße überqueren, überholt uns ein junger Mann auf einem E-Roller und touchiert dabei den armen Filou. Zum Glück ist nichts passiert, aber es ist wirklich heftig, wie rücksichtslos da einfach agiert wird. Keine Reaktion, keine Entschuldigung. Das ist ein leider trauriges Beispiel für das Miteinander im Straßenverkehr, in dem Fußgänger kaum noch Beachtung mehr finden. Ganz gleich, ob sie Kinder an der Hand haben, Hunde an der Leine führen oder aber selbst in ihrer Mobilität gehandicapt sind. Zum Glück ist Filou bis auf den Schrecken nichts zugestoßen. Er hat noch nicht mal gebellt, so ein ausgeglichenes Tier ist er. Das war echt tapfer, lieber Filou!

Neverland und Garnisonsmuseum

Jetzt kommen wir wieder in ruhigere Gefilde, ein Glück nicht nur für Filou, sondern auch für uns. Vorbei geht es an einem türkisblauen, sehr kreativ geschmückten großen Eckhaus, an dessen Torbogen, oder ist es ein Carport, „Neverland“ steht. Wahrscheinlich haben sich die Bewohner alle dran gewöhnt. Für mich, die diese Gegend nicht kennt, ist es ein absoluter Hingucker und muss selbstverständlich fotografiert werden. Wir wollen aber noch ein kleines Stück weiter durch diese Straße gehen – und zwar zum Garnisonsmuseum Nürnberg! Auch das habe ich weder gekannt noch war mir bekannt, dass es dieses Museum überhaupt gibt. Es hat im ehemaligen Hochbunker Hohe Marter seine Heimat gefunden. Tatsächlich hatte wohl gerade eine Führung stattgefunden. Zumindest war jemand da, der uns ein paar Worte dazu sagen konnte. Das Museum in dem ehemaligen Luftschutzbunker wurde erst 1992 gegründet, nachdem bekannt wurde, dass der Standort Nürnberg aufgelöst werden sollte. Wir waren zwar nicht im Museum, haben aber nachgelesen, dass es große Dioramen geben soll, eine Bibliothek und ein Archiv sind auch vorhanden. Und wer zuhause noch Uniformen, Uniformteile, Effekte, Helme, Mützen, Orden und Ehrenzeichen oder ähnliches hat, Waffen sind auch gefragt, kann sich gerne an das Museum wenden, denn dort sucht man ständig solche Ausstellungsstücke. Also, vielleicht mal in den Keller schauen.

Nostalgische Postfahrräder und … Raucher

Auf der anderen Straßenseite stehen wir vor einem Ladengeschäft, vor dessen Front sich ein Briefzustellerfahrrad in schönstem gelb und mit Posthorn an das nächste reiht. Doch an der linken Ecke, an der Hausecke steht ein Aschenbecher, der dieses Idyll trübt. Wir sind völlig fasziniert von diesem Aschenbecher, ich musste ihn fotografieren, es ging leider nicht anders, ich bitte um Entschuldigung. Kommentieren möchte ich das nicht weiter.

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Der Schweinauer Buck und seine Besteigung

Jetzt wenden wir uns dem Schweinauer Buck zu. Erst einmal geht es durch eine Unterführung, die erstaunlich gut aufgeräumt ist – die Kippen liegen ja alle bei dem Aschenbecher – und dann geht es ein bisschen durchs Grüne. Der Schweinauer Buck liegt am Main-Donau-Kanal und an der Südwesttangente, ganz in der Nähe vom Fernmeldeturm. Er besteht aus dem Aushub, der beim Bau des Kanals anfiel und ist heute ein wunderbarer Aussichtspunkt. Man kann ganz gesittet rundum mit sanfter Steigung hinaufgehen auf einer Straße, man kann aber auch querfeldein und fast senkrecht hinaufgehen. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden und ich merke, ich bin nach wie vor nicht schwindelfrei. Umdrehen darf ich mich dabei daher nicht, also freue ich mich, dass ich ohne große Schnauferei und trotz schweren Rucksacks den Schweinauer Buck im Querfeldeinmodus erklimmen konnte. Ohne mich umzudrehen! Oben machen wir ein wenig Pause, genießen die Aussicht und machen noch ein paar Fotos von Jana und Gregor mit Filou, weil es für die beiden natürlich immer schwierig, ist alle drei auf einem Bild festzuhalten. Filou macht das großartig, er hat wirklich Modelqualitäten!

Wilde Möhren

Ja, unterwegs lerne ich von Gregor, wie ich die wilde Möhre erkenne, was ich spannend finde. Jana und Gregor haben ganz viel Ahnung von Pflanzen und Gemüse. Sie sind leidenschaftliche Garten- und Naturfans und ich partizipiere gern von ihrem Wissen. Und unterwegs entdecken wir dann auch noch einen Sanddornstrauch. Man sieht schon, dass oben die Vögel zu Gange waren. Doch unten, wo die Dornen enger stehen, gab es noch viel mehr Beeren. Zum Ende unserer Runde hüpfen wir noch schnell mal auf die Autobahnbrücke, weil die Aussicht natürlich toll ist, aber es ist zugegebenermaßen ein wenig hoch für mich. Auf dem Rückweg kommen wir an einem wunderbaren Graffiti vorbei, das eine pinkfarben gekleidete ältere Dame zeigt, die ihre Nordic-Walking-Stöcke schwingt. Wobei wir fast schon beim Thema wären, denn Janas Trackinguhr ist ebenfalls rosa.

Dankeschön!

Vielen Dank für diesen wunderbaren Ausflug, liebe Jana, lieber Gregor. Es waren wieder sehr, sehr schöne Stunden mit euch!